Mein Brezelkäfer Ferdinand (1998 - 2009)

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technische Daten

Modell VW Exportlimousine
Typ 11
gebaut am 18.03.1952
Fahrgestell-Nr. 1-0 335985
Farbe Azurblau
Motor 1131 ccm
Leistung 24,5 PS
Getriebe 4 Gang unsynchronisiert
Felgen 3 x 16
Bereifung Diagonalreifen 5.00 x 16

Historie und Vorbesitzer

Ferdinand (so nannte ich meinen Brezelkäfer) wurde am 18.03.1952 gebaut. Er gehörte zu den letzten "echten" Brezeln, deren typisches Merkmal die Frischluftklappen im vorderen Fußraum (auch Rheumaklappen genannt) ist.

Er wurde ursprünglich nach Södertälje in Schweden ausgeliefert. Was er dann so "erlebt" hat, ist mir leider nicht bekannt. Auch weiß ich nicht, wann und wie er zurück nach Deutschland gefunden hat. Seine Spur findet sich erst in einem Zeitungsartikel von 1991 wieder, wo er mit einem seiner Vorbesitzer abgebildet ist:

Jakob Drach, Kfz-Meister im Ruhestand und Buchautor, hat den Wagen ca. 1990 in einer seiner historischen Kfz-Werkstätten in Bad Schönborn restauriert und dort auch als Ausstellungstück genutzt. Über weitere mir unbekannte Stationen gelangte er in die Hände von Jan Peter Henkels und dann zu Stefan Alstetter, der ihn 1996 an Tim Joosten aus Starnberg verkaufte. Tim Joosten (übrigens 1998 Ausrichter des Herbsttreffens der Brezelkäfervereinigung) hat mit dem Fahrzeug ausgedehnte Reisen unternommen bevor er sich 1998 von ihm trennte.

Der Kauf oder so kommt man zu einem Brezelkäfer

Eigentlich war ich schon länger auf der Suche nach einem VW Käfer Bj. 1962 (mein Jahrgang). Der Wagen sollte möglichst ein perlweißes Exportmodell sein und die obligatorischen Bügelstoßstangen haben. Das Ganze natürlich rostfrei, ungeschweißt und mit geringer Laufleistung, also ein Ringeltäubchen. Eigentlich ...

1998 hatte ich beruflich für eine Woche in München zu tun. Um die Zeit im Flieger sinnvoll zu verbringen, nahm ich mir eine aktuelle Tageszeitung (Münchener Merkur) und studierte die Kfz-Angebote. Was dann folgte, kann sich jeder denken - eine kleine Anzeige mit weitreichenden Folgen:

Es folgte ein Anruf beim Besitzer (oben genanntem Tim Joosten) und die Vereinbarung eines Besichtigungstermins. Das Fahrzeug hatte eine hervorragende Substanz, Rost war weder an der Karosserie noch an der Bodengruppe auszumachen. Die Lackierung war ganz passabel und die Innenausstattung original. Auch technisch machte der Wagen einen sehr guten Eindruck. Der Stachel saß.

Ich zwang mich zwar dazu, nochmal eine Nacht drüber zu schlafen, aber innerlich war für mich die Entscheidung bereits gefallen. Zum Glück stand das Weihnachtsgeld kurz vor der Tür. Die Unterschrift unter dem Kaufvertrag am Ende meiner Dienstreise war dann nur noch Formsache.

Was dann noch folgte, war im November der Transport des Brezelkäfers von München ins Bergische Land nach Solingen. Die ursprünglich in Betracht gezogene Nutzung eines Autoreisezuges habe ich schnell verworfen. Was soll einem mit einem 50 Jahre alten Auto auf lächerlichen 600 km auch schon passieren? Die Antwort vorweg: Käferchen machte seinem Ruf alle Ehre: er lief und lief und lief ... ohne Probleme bis in die heimische Garage.

Die Reise war ein echtes Erlebnis. Anfängliche Probleme mit dem unsynchronisierten Getriebe (ich war auf diesem Gebiet absoluter Anfänger) spielten naturgemäß später auf der Autobahn keine große Rolle mehr. Winkende Beifahrer in vorbeifahrenden Fahrzeugen und etliche nette Gespräche auf Rastplätzen ("so einen bin ich früher auch gefahren") ließen bei gutem Wetter die erste Hälfte der Fahrt schnell vergehen.

Später forderten die originalen 24,5 PS ihren Tribut und ließen die Steigungen im Taunus und dem Westerwald endlos erscheinen. Die Fahrt dauerte dann auch länger als geplant. 100 km vor der Heimat setzte die Dämmerung ein und zu allem Überfluß fing es auch noch an zu regnen. Meine Befürchtung, wegen der schwachen 6 Volt Beleuchtung übersehen und von einem LKW plattgewalzt zu werden, erwies sich jedoch als unbegründet. Nach 10 Stunden Fahrt erreichte ich müde aber zufrieden und ohne Pannen die Heimat. Mein Leichtsinn, mit einem unbekannten Oldtimer ohne Ersatzteile und ohne Begleitung eine so große Strecke zu fahren, wurde nicht bestraft.

Zustand

Ferdinand wurde, wie schon berichtet, Ende der 80'er Jahre teilrestauriert. Im Rahmen dieser Restaurierung wurde die Lackierung erneuert und die Technik überholt. Das Fahrzeug war ungeschweißt und weitgehend rostfrei. Die Innenausstattung war original und in gebrauchtem aber nicht verschlissenen Zustand ("schöne Patina"). Stoßstangen, Zierleisten, Haubengriffe, Winker und Luftfilter stammten zum Zeitpunkt des Kaufs von einem Ovalkäfer. Im Laufe der Zeit habe ich zwei NOS Sickenstoßstangen, ein Satz Sickenzierleisten und einen originalen vorderen Haubengriff montiert, so dass er weitgehend wieder dem Auslieferungszustand entsprach.

Verkauf

Seit Oktober 2008 stand mein Käfer Cabrio fertig restauriert in meiner Garage. Außerdem hatte ich mir eine schöne, alte Harley Davidson Sportster zugelegt, um mit meinem Freund Martin auf zwei Rädern das Bergische Land unsicher zu machen. Da Autos zum Fahren und nicht zum Stehen gebaut sind und man sich nicht zweiteilen kann, habe ich mich schweren Herzens entschlossen, mich von meinem Brezelkäfer Ferdinand zu trennen. Am 14. April 2009 habe ich ihn an Hendrik Kunz aus Dillenburg verkauft, der ihn hoffentlich genaus so pflegt, wie ich es elf Jahre lang getan habe.